Prager Zeitung
SCHLAFENDE ENGEL
Karoline Buchholz
25. Juni 2008
Das Rudolfinum stellt Gottfried Helnwein aus
Unter dem Titel „Angels Sleeping“ stellt die Galerie Rudolfinum Werke des österreichischen Malers Gottfried Helnwein aus. Der 1948 in Wien geborene Künstler ist für seine provokanten Bilder bekannt. Sie kreisen fast immer um das Thema Gewalt. „Vielleicht ist es ein Defekt, aber von frühester Kindheit an sah ich immer Gewalt um mich herum und die Angst, die sie hervorruft“, so der Künstler.
Der 1948 in Wien geborene Künstler ist für seine provokanten Bilder bekannt.
Sie kreisen fast immer um das Thema Gewalt. "Vielleicht ist es ein Defekt,
aber von frühester Kindheit an sah ich immer Gewalt um mich herum und die Angst,
die sie hervorruft“, so der Künstler.
Die Ausstellung zeigt in fünf Räumen insgesamt 54 Bilder zu fünf Themen, die
Helnwein berühmt gemacht haben: Köpfe und Gesichter, Nazismus, Gewalt (gegen
Kinder), "Art in America", und Portraits von Marilyn Manson.
Gottfried Helnwein studierte in Wien an der Höheren Graphischen- Bundes- Lehr-
und Versuchsanstalt und an der Akademie der bildenden Künste. Bereits 1966
trat er mit einer Performance in Erscheinung, in der er sich unter anderem
mit Rasierklingen sein Gesicht und die Hände verletzte. Es folgten Ausstellungen
in Mailand, München, Washington, Berlin und San Francisco.
Helnwein spielt mit den menschlichen Ängsten , verstört und rüttelt auf. Das
Titelbild der Ausstellung zeigt ein junges Mädchen, das über seinem nackten
Körper eine Uniform trägt und mit einer Träne im Auge leicht nach oben blickt.
Mit dieser erotischen Kinderdarstellung soll eingeschlafenes Bewusstsein geweckt
werden.
"Es war vor allem die Gewalt gegen Kinder, die mich nicht mehr losgelassen
hat. Wie kann jemand Kindern oder Tieren etwas anderes entgegenbringen als
Liebe und Bewunderung", so Helnwein. DieseThematik zieht sich wie ein
roter faden durch die Ausstellung und findet ihren Höhepunkt im dritten Raum.
Sπätestens in dieser Halle ist das Provokante seiner Arbeit nicht mehr abzustreiten.
So zeigt ein Bild ein blutüberströmtes kind.
Es steht vor einem Bett, auf dem der Oberkörper eines Mädchens, in Uniform
gekleidet, liegt. Dieser Bildausschnitt findet sich als Einzelbild in der Ausstellung
wieder. Nicht nur hier verbindet der Künstler seine Werke miteinander. Beeindruckend
ist auch das selbstportrait des Künstlers im ersten Raum, das ihn bandagiert,
aufschreiend und erblindet zeigt. Doch an Schrecken kaum zu `überbieten sind
acht Fotografien, die der Sänger Marilyn Manson als flehende Madonne, traurigen,
angsteinflössenden Clown, weinenden Offizier oder als böse schwarze Gestalt
hinter einer dunklen Maske zeigen.
Die Ausstellung ist nichts für schwache Nerven. Die Bilder sind anziehend und
abstossend zugleich. Helnweins Werke faszinieren, fesseln und regen zum Nachdenken
an.