Gottfried Helnwein Das Kind
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Gottfried Helnwein, Modern Sleep I, photograph, 2003
Gottfried Helnwein, Modern Sleep I, photograph, 2003

 

 

 

Texte

 

TEXTE
Eine Auswahl von Texten und Essays die sich auf das Thema Kind im Werk von Gottfried Helnwein beziehen

 

 

DAS KIND IM WERK GOTTFRIED HELNWEINS: DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS
Jutta Teuwsen
Masterarbeit, Technische Universität Dortmund
5.November 2015

Es wird also deutlich, dass sich Helnweins Gesellschaftskritik nun nichtmehr auf das Vergangene (Naziregime) bzw. den Umgang damit oder das Geahnte (Kindesmissbrauch) bezieht, sondern unmittelbar die sichtbaren, schon artikulierten und offensichtlichen Missstände des kindlichen Lebens in der heutigen Welt meint. Damit wird Helnwein der Tatsache in höchstem Maße gerecht, „dass jede Kunst, dass jeder Künstler ein Spiegel seiner Zeit ist.“

 

GOTTFRIED HELNWEIN - BEAUTIFUL CHILDREN
Peter Pachnike und Gisela Vetter-Liebenow
Ludwig Museum Schloss Oberhausen und Wilhelm Busch Museum Hannover
1. März 2005

In der Ausstellung „The Child“, die im vergangenen Jahr in den Fine Arts Museums von San Francisco stattfand, hat Robert Flynn Johnson das Kind als das zentrale Thema in Helnweins Werk sichtbar gemacht. Am Anfang stehen Helnweins hyperrealistische Aquarelle, die in penibler, fotorealistischer Detailtreue satirisch verfremdet Kinder darstellen, die von geschwürartigen Narben entstellt sind, durch Spangen und Zwingen gefoltert und durch Entblößungen gedemütigt. Peter Gorsen hat vom „malträtierten Kind“ als einer originären Bilderfindung Helnweins gesprochen, welche die uns lieb gewordenen kindertümelnden Bildvorstellungen aufgebrochen hat.

 

BEAUTIFUL CHILDREN
Steffen Runkel
Avalist
Universität Hannover - Historisches Seminar, Philosophische Fakultät
Juni 2005

Gottfried Helnwein im Wilhelm-Busch Museum. "Beautiful Children“ ist die Ausstellung überschrieben, die Werke und Photographien des gebürtigen Österreichers Gottfried Helnwein bis zum 12. Juni 2005 im Wilhelm Busch Museum Hannover zeigte. Und von vorneherein drängt sich die Frage auf, ob dieser Ort, idyllisch inmitten des Georgengartens gelegen, der richtige Ort sei für den Meister des Überdimensionalen, der großen Installationen. Doch bereits der Blick in den ersten Ausstellungsraum nimmt diese Befürchtung. Es müssen nicht die ganz großen Dimensionen sein, die in ihren Bann ziehen, es ist die Macht der Mischtechnik auf Leinwand, die unabhängig von ihrer Größe fesselt und fasziniert. Zu Beginn das größte Werk der Ausstellung, 2x4 Meter, ein Mädchengesicht mit geschlossenen Augen: „Beautiful Children“. Der Titel der Ausstellung wird zum Programm. Gegenüber das wohl schönste Werk, der Kuss zweier Nymphen. Nicht lasziv oder aufreizend, sinnlich eher, tastend. Die ungetrübte Unschuld des Kindes, seine Unbeschwertheit und Freiheit hat Helnwein wohl nie besser dargestellt als in diesen beiden Werken.

 


KINDSKOPF - HELNWEINS PLÄDOYER FÜR EINE ANDERE KINDHEIT
Peter Zawrel
Direktor des Niederösterreichischen Landesmuseums
anlässlich der Installation "Kindskopf" von Gottfried Helnwein
Minorittenkirche Krems

Das auratische Gesicht eines Kindes, sechs Meter hoch, vier Meter breit, im Triumphbogen einer mittelalterlichen Kirche hängend, an Pfeilern und Wänden umgeben von dutzenden Leinwänden im genormten Format von zweihundert mal hundertvierzig Zentimetern, deren Köpfe und Fabelwesen sich erst bei näherem Hinsehen leicht als Kinderzeichnungen zu erkennen geben - einmal mehr irritiert Helnwein eingewöhnte Wahrnehmungsstrukturen in mehrfacher Hinsicht, vor allem aber auch die Erwartungshaltung des Besuchers einer Helnwein-Ausstellung. Das signalisiert schon der Titel, der zweideutig auf das dargestellte Thema und die damit transportierte ironisch-ernste Selbstdorstellung des Künstlers anspielt, darin ähnlich dem Katologtitel "Untermensch" von 1988: KINDSKOPF.

 

FÜR KINDER
Katja Behrens
Charity

Seit den frühen 70er Jahren schon spielt das KIND eine Hauptrolle in Helnweins Kunst; das geschundene, verletzte, bedrängte Kind in unserer Gesellschaft. Es sind die Narben und Verbände, die medizinischen Instrumente, die Schläuche und die Annäherungen der Erwachsenen, die die Kinder seiner Bilder deformieren. Sie fügen ihnen sichtbaren Schaden zu; von den "inneren Verletzungen" ganz zu schweigen.

 

ENDZEITSTIMMUNG - DÜSTERE BILDER IN GOLDENER ZEIT
Gregory Fuller
DuMont, Buchverlag, Köln

Das Gewaltthema und das Thema "der als Opfer" setzten sich von Beckmanns früher Arbeit von 1907 bis zum heutigen Tag fort. Bei Bruce Naumann, Marcel Odenbach, Jeff Wall und Gottfried Helnwein wandeln sich zwar die künstlerischen Mittel radikal, nicht aber das Thema selbst.
Bei Chris Burden schlägt die Aggression um in den selbstzugefügten Schmerz. Bei Kiki Smith ist die Frau das Opfer der Erniedrigung und Beleidigung. Überhaupt drückt sich in der Body-Art der frühen neunziger Jahre eine Art toter Körperlichkeit aus. Auch der Leichnam bestätigt die Körperlichkeit des Menschen. Bei Jürgen Brodwolf erinnern die Körper an Mumien, bei Smith an ausgelaugte Objekte, bei Sindy Sherman an sexuell mutierte, zerstückelte Schaufensterpuppen, bei Steven Hudson an aus dem Paradies Verstoßene. Der menschliche Körper wird in der Kunst unseres Fin de siècle als unterworfenes und gedemütigtes Objekt gesehen.

 

GOTTFRIED HELNWEIN - DAS KIND, DER SCHREI, DAS BLUT
Diplomarbeit von Julia Neufeld, 2012
Kunsthochschule Berlin- Weissensee, Prof. Dr. Matthias Bleyl

Gottfried Helnweins Bilder scheint man hören zu können. Die Empathie zu schreienden und gequälten Menschen ist da. Diese Menschen sind oft noch Kinder. Hilflose Kinder, deren Blut noch warm fließt, deren malträtierte Körper frisch verbunden sind. Gemalt von dem, der sich erinnert. An die Kinder-Euthanasie, an die, die im Schatten des Schreckens sitzen, die sich nicht zu wehren wagen und es auch nicht können. Kinder, die versuchen zu fliehen, die es nicht schaffen, weil ihr Verband die Sicht versperrt, weil sie Schmerzen haben und nicht mehr laufen können, weil sie fixiert auf einer Bahre liegen; und im Mund sitzt ein Gewehr, das zu schießen droht. Ihre Münder sind verbunden, sie sind ohnmächtig geworden. Ihre Wunden bluten und schmerzen. Sie sind eingesperrt in der Finsternis, und wenn sie den Versuch eines Schreis machen, wird sie doch niemand hören. Jetzt kommt ein Vertrauter, ein Freund, ein Verwandter, die Mutter, der Vater - ein allzu freundlicher Donald – ... Nein, es ist doch nur ein Ungeheuer, ein Massenmörder, ein Kinderficker. Das Heimliche verschwimmt ins Unheimliche. Es ist eine Alptraumwelt, ein Teil von ihr existiert real, der andere Teil ist die Angst. Es gibt leere, einfarbige Räume, versehen mit Löchern und Gruben, in die die Kinder reinzufallen drohen. Oder sind es schon die sorgsam vorbereiteten Gräber, die wartend das Kind empfangen? Ein Kind nimmt das hingebungsvoll hin und hat keine Angst mehr vor dem Dunkeln und dem Fall ins unendliche Schwarz, doch hat es dabei die Augen verbunden. Ein anderes Kind ist unentschlossen und schwebt zwischen Leben und Tod.

 

NEUNTER NOVEMBER NACHT
Reinhold Mißelbeck
Kurator für Fotografie und neue Medien, Museum Ludwig Köln
Gottfried Helnwein, Ninth November Night, Katalog

Es war ein Glücksfall, daß Gottfried Helnwein ebenfalls danach strebte, aus dem Museums- und Galeriebetrieb auszubrechen, um eine größere Öffentlichkeit anzusprechen. An einem Ort wie dem zwischen Dom und Museum Ludwig und einer Zeit wie der photokina mit ihren Hunderttausenden von Besuchern war diese Möglichkeit in hohem Maße gegeben. Die 100 Meter lange Bilderwand verfehlte ihre Wirkung nicht. Sie löste Betroffenheit, aber auch Aggressivität aus, Nach wenigen Tagen schon waren zahlreiche Bilder aufgeschnitten, eines sogar entwendet. Gottfried Helnwein verstand die Ausstellung seiner Arbeiten und die Reaktion des Publikums als einen Prozeß, der sich in späteren Präsentationen niederschlagen und fortsetzen sollte. Die Bilder wurden nicht erneuert, sondern geflickt, so daß dieses Mahnmal der Judenverfolgung auf seiner nächsten Vorstellung in Lausanne bereits die Spuren mangelnder Einsicht und des Unverstandes in der heutigen Zeit trägt.

 

DAS KIND IM FOCUS
Johannes Rother
Mittelrhein-Museum, Koblenz
Zur Ausstellung, Teil I

Gottfried Helnwein, 1948 in Wien geboren, gilt als einer der umstrittensten, aber auch bekanntesten bildenden Künstler der Nachkriegszeit.
Das Werk des Malers und Fotografen entzieht sich erfolgreich der erledigenden Einordnung wie auch dem systematisierenden Zugriff offizieller Kunstkritik. Zu vielfältig ist die Bandbreite seiner künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, zu offensichtlich sind Brüche und Widersprüche, als daß man sein künstlerisches Schaffen auf wenige griffige Schlagworte festlegen könnte: Verweigerung stilistischer Kontinuität und immerwährender Neubeginn sind bei Helnwein Konzept. Im Zentrum seines eigentlichen Interesses steht jedoch - ganz im Sinne der Kunsttheorie Kandinskys - nicht WIE, sondern WAS Kunst transportiert und welche Reaktion sie beim Publikum damit auszulösen in der Lage ist. So manifestiert sich Helnweins künstlerische Qualität vor allem in der vom Sujet auf den Betrachter ausgehenden emotionalen Intensität - unabhängig vom gewählten Stil oder Medium.

 

INTOLERANZ UND GEWALT
Johannes Rother
Mittelrhein-Museum, Koblenz
Zur Ausstellung, Teil II

Seit geraumer Zeit wird in der Bundesrepublik eine erschreckende gesellschaftliche Entwicklung verzeichnet: Misstrauen, Abneigung und Intoleranz allen Menschen gegenüber, die anders aussehen oder anders denken, scheint wieder allgegenwärtig. Hass auf Minderheiten manifestiert sich in brutalen Übergriffen und Attentaten. Symptomatisch für diese Geisteshaltung und ihre Konsequenzen steht für viele der Brandanschlag auf das Wohnhaus einer türkischen Familie in Solingen. In der Nacht auf den 29. Mai 1993 kamen dabei 5 Menschen ums Leben: Vier verbrannten in den Flammen, eine Frau starb bei dem Versuch, ihre Tochter durch einen Sprung aus dem Fenster vor dem Tod zu retten. Das Kind überlebte schwerverletzt.

   
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